Einen Brettchen-Webrahmen selbst herstellen

Holme mit Einschraubmuttern (Einschraubgewinden)

Die Holme sind bei meiner Konstruktion wie gesagt komplett abnehmbar, damit man genau die Menge an Holmen an genau den Positionen festschrauben kann, wo man sie aktuell braucht. So haben Einsteiger den Vorteil, eine bessere Übersicht und mehr Handfreiheit zu haben. Und der Rahmen lässt sich zudem besser transportieren und verstauen.

Bei den Holmen habe ich durch Erfahrungen dazu gelernt. Bei dem ersten Webrahmen hatte ich auf Standard-Einschraubmuttern gesetzt, die etwas zu kurz für die Kräfte waren, die tatsächlich auf die Holme einwirken. Aus den ersten zwölf Holmen sind unserer Freundin vier Einschraubmuttern bei der Benutztung ausgebrochen.

Ich habe dann nach einiger Recherche etwas dickere Einschraubmuttern für 6mm-Schrauben gefunden, die stolze 20mm lang sind. Mit diesen habe ich alle Holme aus der ersten Generation ersetzt und auch den zweiten Rahmen damit gebaut – bislang gab es noch keine Klagen dazu und ich gehe davon aus, dass die längeren Muttern bombig halten. Allerdings sollte man die Holme dann ein paar mm dicker wählen, beispielweise 24mm. Denn sonst können die Rundstäbe zu dünn sein und beim Einschrauben der Gewinde brechen.

Vergleich der Einschraubmuttern. Die 20mm lange EInschraubmutter (unten) sollte es schon sein

Für die längeren Einschraubmuttern braucht man dann natürlich mehr Kraft beim Einsetzen. Wichtig ist auch, dass man die Holme dabei fest einspannen kann, ohne das Holz zu zerquetschen. Hier helfen ein paar Stücke Antirutschmatten über Filzeinlagen im Schraubstock. Ich hatte nur Kunststoffbacken griffbereit, was suboptimal war. Bohren geht damit super, doch beim Eindrehen der Gewinde hat sich der Holm oft mitgedreht.

Zum Einschrauben der Gewinde braucht man entweder Inbus-Schlüssel mit ausreichender Länge (15cm oder mehr) um entsprechende Kraft aufwenden zu können. Oder man kann einen Drehschlag-Schrauber verwenden. Denn mit einem normalen Akkuschrauber macht das keinen Spaß und man gefährdet bei den Drehmomenten Handgelenke, Werkzeug und Materialien.

Übrigens ist es mit einem kleinen Trick ganz leicht, die Mitte der Holme für die Bohrung zu markieren: Ich habe mit meinem alten Schulzirkel und einer Schere eine Pappscheibe mit dem Durchmesser der Holme hergestellt. Die Scheibe habe ich dann passend auf die Holme gelegt und die Zentrierspitze meines Holzbohrers in das Zirkelloch in der Mitte der Papierscheibe gedrückt, um den Mittelpunkt zu übertragen.

Auch bei der Bohrung ist es wieder wichtig, dass man möglichst senkrecht in den Holm bohrt, da er sonst später schief am Rahmen steht. Die Einschraubmutter sollte vollständig im Holm versenkt werden, so dass kein Metall übersteht.

Die benötigte Bohrungstiefe sollte man vorher gut ausmessen, damit die Schrauben für die Holme fest gezogen werden können und nicht innen im Holm ins Holz stoßen. Ich habe die Bohrungen etwa 5mm tiefer gemacht als die EInschraubmuttern, im Endeffekt alle Holme also etwa 25mm tief gebohrt. Mit meinen Schraubenlängen passte das wunderbar zusammen.

Holme halbautomatisch schleifen

Da alle Holme mit Einschraubgewinden bestückt sind, kommt das Beste zum Schluss: Das mühelose Schleifen der Holme. Ich habe dafür zuerst eine lange Gewindeschraube in das Bohrfutter meines Akkuschraubers eingespannt. Wichtig ist hierbei, dass der Schraubenkopf hinter den Backen des Spannfutters sitzt, damit die Schraube wirklich fixiert ist und nicht verkippen kann. Dann habe ich eine Sicherungsmutter (auch Stoppmutter genannt, DIN985) benutzt, um die maximale Einschraublänge zu begrenzen. Zwei fest gegeneinander geschraubte normale Muttern sollten den gleichen Effekt bringen.

Dann habe ich Akkuschrauber vorwärts laufen lassen und die Schraube langsam in den Holm einschrauben lassen, bis zum Anschlag an der Sicherungsmutter. Jetzt konnte ich den Akkuschrauber schneller laufen lassen und die Holme in der Rotation mit Schleifpapier und Schleifmatte glätten – das Ergebnis hat mich wirklich erstaunt, da ich nicht erwartet hatte, mit meinen Materialien eine derart glatte Oberfläche zu erhalten. Und je glatter desto besser, denn über die Holme werden ja später alle Fäden und das fertig gewebte Band gezogen.

Der fertige Rahmen und eine letzte Ölung

Ich habe die Webrahmen damt Holmen zweimal dünn mit Leinöl behandelt und einen Tag später mit einem trockenen Lappen abgewischt, so dass überschüssiges Öl nicht an das Garn agegeben wird. Ich empfehle auch, alle Teile zu ölen oder zu lackieren, damit sich das Leimholz nicht durch Luftfeuchtigkeit verzieht.

Hier nun die Gesamt- und Detailansicht eines fertigen Brettchenwebrahmens:

Selbstgemachter Brettchenwebrahmen
Der fertige Brettchenwebrahmen
Alle Holme des Brettchenwebrahmens sind schraubbar
Alle Holme des Brettchenwebrahmens sind schraubbar

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